Chalkidiki – Südseefeeling an der Ägais

Chalkidki

Kristallklares Wasser, türkise Buchten und feine Sandstrände – dass mich so etwas nur knapp zwei Flugstunden von Deutschland entfernt erwartet, hätte ich nicht gedacht! Chalkidiki, eine immer beliebter werdende Ferienregion Griechenlands, ist besonders wegen ihrer drei Halbinseln bekannt, die wie drei Finger einer Klaue ins Meer hinaus ragen. Die aufgeweckte Kassandra, die ruhige Naturschönheit Sithonia und die Mönchsrepublik Athos. Jede Halbinsel für sich ist ein attraktives Ziel für Wanderer, Sonnenanbeter, Geschichtsliebhaber oder Pilger.

Ich habe mir Sithonia ausgesucht, um unsere erst Reise als Familie zu geniessen und wurde alles andere als enttäuscht. Denn nicht nur, dass wir im Mai von fast leeren Stränden und ruhigen Altstädtchen verwöhnt wurden, wir wurden auch mehr als herzlich von den einheimischen Griechen begrüsst, die derzeit noch auf die Touristenströme im Sommer warten.

Sithonia – grüne Naturschönheit mit unzähligen Stränden

Sithonia ist die mittlere der drei Halbinseln. Von der Ostküste aus hat man stets einen guten Blick auf die Mönchsrepublik Athos, die grösstenteils nur männlichen Pilgern Zutritt gewährt. Den Berg Athos kann man bei klarer Sicht dennoch wunderbar aus der Ferne bestaunen.

Sithonia bietet so viel, dass es sich lohnt, hier länger zu verweilen. Die bergige Halbinsel ist dicht bewaldet und bietet unzählige Wanderwege für jedes Level. Ein guter Wanderführer in Buchform ist hier jedoch ein Muss, denn online findet man leider viel zu wenige Informationen zu den vielen Trails und Routen.

Egal, ob du entlang der Küste mit kleinen Abstechern zu einsamen Buchten wanderst oder durch dichte Pinienwälder, entlang der Olivenhaine und Weinberge, wo du hin und wieder frei lebende Ziegen oder Schafe triffst und eine ganz neue Langsamkeit kennenlernst: Für Wanderer ist die Sithonia ein kleines Paradies.

Die meisten jedoch kommen wegen der Strände her. Etwa 550 km Strand säumen die Küste der Halbinsel. Wie auch bei den Wanderwegen ist hier für jeden etwas dabei. Von langen Sandstrände mit flach abfallendem Ufer bis hin zu felsigen Buchten mit einem etwas schwierigerem Einstieg ins türkise Wasser – es kommt ganz darauf an, wonach du suchst.

Du bist eher der Abenteurer und Entdecker? Dann empfehle ich dir auf jeden Fall einen Mietwagen, um die Sithonia auf eigene Faust zu erkunden und immer dort anzuhalten, wo du gerade einen tollen Strand, einen hübschen Foto-Spot oder den besten Frappé der Insel entdeckt hast.

Die Sithonia mit dem Mietwagen erkunden

Mietwagen bekommst du beinahe in jedem Hotel. Sogar Mietstationen am Strand oder in den Dörfern (meist dort, wo sich die Touristen aufhalten) sind keine Seltenheit.

Ich würde trotzdem empfehlen, den Mietwagen bereits vorab zu buchen. Die grössten Anbieter finden sich am Flughafen von Thessaloniki: Hertz, Sixt und Europcar haben hier eigene Schalter. Andere Anbieter, wie etwa Enterprise, holen die Reisenden via Shuttleservice ab und fahren sie zur nahegelegenen Mietwagenstation, um alle Formalitäten zu klären und den Wagen zu übergeben. Es lohnt sich, die Preise online zu vergleichen. Eine Mitgliedschaft beim grössten Deutschen Automobilclub kann ausserdem vorteilhaft sein, da du hierdurch noch einmal einige Prozente sparen kannst.

Hast du einen passenden fahrbaren Untersatz bist du flexibel und kannst überall dort hinfahren, wo es dir gefällt. Parken ist nach unserer Erfahrung kein Problem. Sowohl an den Stränden als auch in den kleinen Städtchen gibt es stets gute Parkmöglichkeiten und wenige Verbotsschilder.

Lediglich in Thessaloniki ist es – wie wohl in jeder Grossstadt – etwas tricky und du solltest dir besser im Vorfeld ein geeignetes Parkhaus und mögliche Alternativen heraussuchen.

Das Fahren auf griechischen Strassen ist definitiv anders als in Deutschland. Sie sind oftmals in weniger gutem Zustand und so empfiehlt es sich, sich wirklich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen (Radarfallen gibt es so einige) zu halten und auf Schlaglöcher Acht zu geben. Dennoch ist das Strassennetz recht gut ausgebaut und die Beschilderungen sind gut verständlich und ausreichend vorhanden, sodass du notfalls auch ohne Navigation zurechtkommst.

Inselrundfahrt auf Sithonia – lieber mehr Zeit lassen

Badebucht

Ambitionierte schaffen es durchaus, die Halbinsel innerhalb eines Tages an der Küste entlang abzufahren. Für uns als Familie mit Baby – keine Chance!

Ich plädiere aber generell dafür, sich eher mehr Zeit zu lassen, um die Sithonia zu erkunden. So bleibt am Ende auch mehr Zeit für Entspannung, für ein Bad in der glasklaren Ägais oder den eiskalten Frappé beim Plausch mit einem „echten“ Griechen oder einem Deutschen Auswanderer.

Je nach Startpunkt der Rundfahrt lassen sich als Stopps einige Strände, Tavernen, Sehenswürdigkeiten wie z.B. Kirchen oder auch kleine Wanderungen einplanen. Für uns als Familie war es besonders wichtig, dass wir überall die Möglichkeit haben, Pause zu machen, auszusteigen, durchzuatmen, zu wickeln, zu füttern und aus dem Auto rauszukommen. Deshalb haben wir auf unseren Rundfahrten eher wenige Stopps eingeplant, von denen ich im Folgenden die Schönsten vorstellen möchte:

Toroni

Strandurlaub Griechenland

Toroni ist besonders bekannt für seinen goldgelben Sandstrand. Angeblich zählt dieser sogar zu den schönsten Stränden der Chalkidiki. Am Ende des Strandes gibt es dazu eine Burg zu besichtigen – Reste der byzantinischen Burg Levthonía.
Ausserdem soll es hier einen antiken Hafen geben, der im Meer versunken ist. Deswegen unbedingt an Schnorchel und Maske denken, um danach in den Tiefen des Meeres zu suchen. Es ist faszinierend – Geschichte findet sich hier einfach überall.

Porto Koufo

Der Naturhafen von Porto Koufo hat fast etwas Mystisches an sich. Die Bucht ist nahezu vollständig von grünen Hügeln eingerahmt.
Dadurch schwappt kaum eine Welle herein, das Wasser ist ruhig und auch zu hören ist das Meer hier kaum. Die kleinen Boote und Segeljachten kommen von hier aus nur durch einen etwa 300 Meter breiten Durchgang hinaus auf die Ägais. An der Hafenpromenade werben die Gastronomen um Kundschaft und haben ihre Speisekarten direkt vor der Türe zur Präsentation aufgestellt und es riecht überall wunderbar nach leckerem Essen. Natürlich ist Fisch hier der absolute Renner. Aber auch Gyros, Souflaki und andere Spezialitäten solltest du dir nicht entgehen lassen. Ich kann dir wärmstens frittierten Feta mit einer Art Balsamicocreme empfehlen. Dazu frisch gebackenes Kartoffel-Gries-Brot. Einfach Lecker!

Nikiti Hafenpromenade

Nikiti ist ein sehr beliebter Badeort. Zu unserer Reisezeit im Mai war es hier noch relativ ruhig und die Hafenpromenade etwas verschlafen.

Noch besser hat uns das – noch viel ruhigere – Old Nikiti gefallen.
Durch die alten Gassen bis hinauf zur Kirche Agios Nikolaos zu schlendern hat einen ganz besonderen Flair. Danach auf einen Frappé in die Barcarola Bar einkehren und die Ruhe geniessen -wirklich fein.

Wer nach Mitbringseln sucht, ist in Nikiti auch ganz richtig, denn hier gibt es unzählige Bienenvölker, die kräftig schmeckenden Pinienhonig produzieren. Aber Achtung: Die Verkaufsstände am Strassenrand bieten auch Honig aus anderen griechischen Regionen wie z.B. Kreta an. Wer also Honig von der Sithonia möchte, sollte lieber direkt danach fragen.

Panorama Taverne

Lunch with a view! Das wäre der perfekte Hashtag, um diesen Ort in den sozialen Medien zu beschreiben, denn die Panorama Taverne macht ihrem Namen alle Ehre. 

Sie befindet sich zwischen Porto Koufo und Kalamisti und ist kaum zu verfehlen. Der Blick hinab der Felsküste und auf die Bucht von Kalamisti ist atemberaubend – und bei klarer Sicht siehst du sogar den Berg Athos.

Unsere Lieblingsstrände der Region:

Spathies Beach

Diese winzige Bucht einige Kilometer hinter Nikiti hat es mir und meiner Familie wirklich angetan. Wir waren hier völlig allein und haben uns einfach wohlgefühlt. Ein grosser Olivenbaum spendet Schatten, was für uns mit Baby essenziell war. Der Einstieg ins Wasser ist leicht, das Ufer fällt jedoch recht schnell ab. Gehst du seitlich über die Felsen hinein, ist Vorsicht geboten, denn hier habe ich einige Seeigel entdeckt. Die Bucht ist nur mit einem einzigen Schild ausgeschildert, daher musst du aufmerksam sein, um sie nicht zu verpassen.

Kavourotripes Beach

Dieser Strand in der Nähe von Vorvorou hat uns beinahe (ja, nur beinahe!) an die North Shore von Hawaii erinnert. Er ist ziemlich naturbelassen, feinsandig und die Wellen waren ganz ordentlich, was jedoch dem Wetter geschuldet war. An weniger windigen Tagen, ist die See hier ruhig.

Portokali Beach (Orange Beach)

Der wohl berühmteste Strand auf der Sithonia ist der Orange Beach – und das zu Recht! Zwischen Felsen und Sanddünen gibt es hier wieder glasklares türkises Wasser und einen guten Einstieg ins Meer.

Karidi Beach

Ebenso wie der Orange Beach ist dieser Strand von bizarren Steinformationen eingerahmt, die Sonnenhungrigen ein schönes Plätzchen zum niederlassen bieten. Mit Kind empfiehlt sich eine Strandmuschel oder ein Schirm, da es hier nur wenig bis keinen natürlichen Schatten gibt.

Ein Städtetrip nach Thessaloniki

Thessaloniki

Thessaloniki ist die zweitgrösste Stadt Griechenlands – und das merkst du. Denn fernab der ruhigen Strände der Chalkidiki herrscht hier an jeder Ecke reges Treiben. Ein Tagesausflug lohnt sich definitiv, um es einfach mal erlebt zu haben.

Wie bereits erwähnt, solltest du dich unbedingt vorab darüber informieren, wo die besten Parkmöglichkeiten sind, um im teils turbulenten griechischen Stadtverkehr nicht den Überblick zu verlieren. Auch die Anreise mit dem Bus ist natürlich gut möglich und wird meist vom Reiseveranstalter mit bequemer Abholung am Hotel organisiert.

In Thessaloniki angekommen, gibt es dann eine bunte Mischung aus sehr viel Geschichte und moderner Großstadt. Ob Triumphbogen, Galerius Palast, Weißer Turm, Kirchen oder Denkmäler, hier kommt jeder auf seine Kosten. Für uns ging es auf einem mehrstündigen Spaziergang an einigen dieser Sehenswürdigkeiten vorbei durch die Stadt, bis hinunter zur Promenade am Meer.

Besonders sehenswert sind neben den geschichtsträchtigen Bauten aber auch die Marktstrassen und die Markthalle, in der neben allerlei Obst und Gemüse auch frisch gefangener Fisch und kräftig duftende Gewürze zu finden sind.

Thessaloniki

Thessaloniki

Apropos Kulinarisches: Wer einmal echte griechische Backkunst kennenlernen möchte, sollte nach der Traditionsbäckerei Terkenlis Ausschau halten, die einige Male in der Grossstadt vertreten ist. Kein Grieche verlässt die Stadt ohne einen der Hefeknoten, so sagt man. Diese süssen Teilchen gleichen eher einem deutschen Krapfen und sind mit oder ohne Füllung, mit weisser oder dunkler Schokolade überzogen erhältlich. Sehr süss, aber auch sehr lecker!

Zum Ausklang unseres Stadtrundgangs sind wir hinunter an die Promenade, die mir persönlich am besten gefallen hat. Entlang des Wassers zu schlendern, die Menschen in den Cafés und Tavernen zu beobachten und dabei den Sonnenuntergang geniessen. Mehr braucht es für mich kaum.

Das für mich Beste kam dann zum Schluss: Die Regenschirme von George Zongolopoulos. Dieses 1997 erschaffene Kunstwerk ist das beliebteste Fotomotiv der Stadt. Auch uns hat es Spass gemacht, hier ein paar Schnappschüsse zu knipsen.

Sithonia Fazit

Das Fazit unserer Ferien auf der Sithonia fällt durchweg positiv aus. Es gibt hier einfach so viel zu entdecken, dass wir am liebsten noch etwas mehr als eine Woche geblieben wären.

Ein Mietwagen lohnt sich in meinen Augen auf jeden Fall. So bist du recht unabhängig und flexibel. Was ich unbedingt empfehle: eine eigene Babyschale bzw. Kindersitz mitnehmen! Unsere Erfahrung war leider, dass Mietwagenanbieter es hier mit der Sicherheit nicht ganz so ernst nehmen und die Leih-Sitze bzw. –Schalen alles andere als hochwertig und neu sind. Mit Baby an Board hält sich das Ausflugsangebot etwas in Grenzen, was uns nicht gestört hat und an jedem anderen Ort auch der Fall gewesen wäre. Ohne Baby hätten wir vermutlich noch einige Autofahrten mehr „investiert“, um uns auch die Nachbar-Halbinsel Kassandra anzuschauen. Ebenso hätten wir wahrscheinlich einige mehrstündige Wanderungen absolviert uns ein Boot gemietet, um auch die einsamsten Buchten der Sithonia zu erkunden.

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