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Es mag am Blick auf die Landkarte liegen, dass die Sarden meinen, die Festland-Italiener machten 'ihren eigenen Stiefel'. Diese sehen es aber genau umgekehrt: Sardinien hat seine Eigenheiten, die nachdrücklich (moderne Römer wüden vielleicht sogar sagen: starrsinnig) verteidigt werden. Für Touristen ist diese kleine Rivalität aber durchaus ein Gewinn: Sardinien ist eben anders
Ganz Italien hat einen unglaublichen kulturellen Reichtum: Das römische Reich, das ein gutes Jahrtausend lang Bestand hatte, hat dem heutigen Italien vieles hinterlassen, und auch Sardinien profitiert von den Leistungen der Antike. Aber auch später wurde hier Großes geschaffen: Als religiöses Zentrum der Westkirche rückte das Land nie wirklich aus dem Fokus des Abendlands. Und in der Renaissance-Zeit wurde die Antike kulturell wieder entdeckt und ihre Ideen und Formen zusätzlich bereichert durch viele Flüchtlinge aus Byzanz
Auf Sardinien kommen außerdem weitere Einflüsse, die bis heute spürbar sind: Phönizier, Sarazenen (Araber) und Normannen (Wikinger) haben der großen Insel westlich ihres heutigen Mutterlands ihren Stempel aufgedrückt. Das spürt man an vielen Stellen: an der (tatsächlich etwas eigensinnigen) Mentalität der Sarden, an der Küche (die zum Beispiel einen nordafrikanischen Einfluss aufweist) und in den Sehenswürdigkeiten, die Überreste aus allen Epochen bieten, teilweise sogar aus vorgeschichtlicher Zeit
Sardinien war als Handelsstützpunkt im westlichen Mittelmeer schon früh von strategischem Interesse - die ersten, die das in größerem Stil nutzten, waren die Phönizier und Karthager. Die Insel lag aber dem aufstrebenden Rom sehr nahe, so dass die Römer das natürlich nicht lange duldeten. Der Kampf zwischen europäischen und nordafrikanischen Mächten ging damit aber erst los: Als die Macht Roms verfiel, ließen sich Germanen (Vandalen) auf Sardinien nieder, die dann wieder von islamischen Sarazenen bekämpft wurden. Normannen schließlich eroberten die Insel zurück
Es haben also viele Völker hier ihre Spuren hinterlassen: Von den prähistorischen Ureinwohnern sind überwiegend Grabstätten erhalten. Heute werden sie 'Domus de janas' gennant, 'Hexenhäuser'. Besonders schöne kann man in S'Andrea Priu, in der Nähe von Bonorva, in Montessu, zwischen Santadi und Villaperuccio und im Gebiet Alghero mit der Nekropole von Anghelu Ruju sehen. Fürsten wurden in besonders großen Gräbern bestattet, 'Gigantengräber' genannt. Ein besonders schönes Exemplar kann man in der Nähe von Olbia (Richtung Palau) besichtigen, das Grab von Li Loghi mit einer 4 m hohen Portalstele
Als die Römer die Phönizier/Karthager verdrängten, übernahmen sie ihre Städte. Schöne, umfangreiche Ausgrabungen der Stadt Nora zeigen das - hier gibt es schöne Tempelanlagen, Mosaiken und Überreste von Thermen zu sehen (Südosten der Insel). Ähnlich in der antiken Hafenstadt Tharros (Westküste bei Oristano). Die Überreste beider Städte liegen leider teilweise unter Wasser.